Deine persönliche Leistungskurve

Deine Leistungsfähigkeit schwankt im Tagesverlauf. Das Zwei-Prozess-Modell der Schlafforschung erklärt warum, und was du dagegen tun kannst.

Das Zwei-Prozess-Modell

1982 stellte Alexander Borbély ein Modell mit zwei Prozessen vor, die Wachheit und Schlaf regulieren.[1] Prozess S (Schlafdruck) steigt während der Wachheit an und fällt im Schlaf ab. Prozess C (circadianer Rhythmus) oszilliert unabhängig vom Schlaf in einem etwa 24-Stunden-Zyklus.

Achermann baute das Modell 2004 mathematisch aus.[2] Die Kurve, die sich aus dem Zusammenspiel von S und C ergibt, ist deine Energiekurve: Sie zeigt, wann du leistungsfähig bist und wann nicht.

Warum dein Nachmittagstief kein Zufall ist

Viele Menschen schieben ihr Tief nach dem Mittagessen auf die Mahlzeit. Monk zeigte 2005, dass der sogenannte Post-Lunch Dip unabhängig von der Nahrungsaufnahme auftritt.[3] Ob du zu Mittag isst oder nicht: Das Tief kommt trotzdem.

Dijk und Czeisler wiesen 1994 nach, dass das Energietief bei den meisten Menschen zwischen 14 und 16 Uhr liegt.[4] Zu diesem Zeitpunkt arbeiten Prozess S und Prozess C gegen dich: Der Schlafdruck ist bereits hoch, und der circadiane Antrieb ist auf einem Tiefpunkt.

Die praktische Konsequenz: Deep Work gehört in den Vormittag oder späten Nachmittag. Routine-Aufgaben, E-Mails, Verwaltung passen ins Tief.

14-16 Uhr
Circadianer Tiefpunkt, unabhängig davon ob du zu Mittag gegessen hast (Monk 2005)[3]
2 Prozesse
Schlafdruck und circadianer Rhythmus überlagern sich zu deiner individuellen Energiekurve (Borbély 1982)[1]

Was die Kurve beeinflusst

Schlafschuld. Van Dongen et al. (2003) zeigten, dass chronischer Schlafmangel die gesamte Kurve nach unten verschiebt.[5] Selbst in Phasen, in denen du normalerweise fit bist, bleibst du unter deinem Niveau (mehr zur Schlafschuld).

Chronotyp. Roenneberg et al. (2003) beschrieben, wie der Chronotyp die Phase der Kurve verschiebt.[6] Lerchen erreichen ihr Hoch früher, Eulen später. Die Kurve sieht ähnlich aus, nur zeitversetzt.

Lichtexposition. Khalsa et al. (2003) wiesen nach, dass Morgenlicht die circadiane Phase nach vorn verschiebt.[7] Wer morgens Tageslicht bekommt, erreicht sein Leistungshoch früher.

Körperliche Aktivität. Bewegung erzeugt einen kurzzeitigen Energieschub (Arousal Boost), der die Kurve lokal anhebt, bevor ein Erholungstief folgt.

Deep Work zur richtigen Zeit

Die kognitive Spitzenleistung liegt bei den meisten Menschen am Vormittag, typischerweise 1-3 Stunden nach dem Aufstehen. In dieser Phase sind Arbeitsgedächtnis, Konzentration und logisches Denken auf ihrem Höchststand.

Ein zweites Hoch folgt am späten Nachmittag oder frühen Abend, wenn der circadiane Antrieb wieder steigt. Kreative Aufgaben profitieren oft von dieser Phase, weil etwas weniger Fokus und mehr assoziative Freiheit neue Ideen begünstigen.

Routine-Aufgaben gehören ins Nachmittagstief. Eulen sollten ihre Planung anpassen: Ihr Leistungshoch verschiebt sich um 1-2 Stunden nach hinten, das Nachmittagstief entsprechend später.

Hinweis: Die Leistungskurve ist ein statistisches Modell. Individuelle Faktoren wie Koffein, Stress, Krankheit oder unregelmäßiger Schlaf können die Kurve an einzelnen Tagen verschieben.

Deine Kurve. Nicht der Durchschnitt.

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Quellen

  1. Borbély AA (1982). A two process model of sleep regulation. Human Neurobiology, 1(3), 195-204.
  2. Achermann P (2004). The two-process model of sleep regulation revisited. Aviation, Space, and Environmental Medicine, 75(3), A37-A43.
  3. Monk TH (2005). The post-lunch dip in performance. Clin Sports Med, 24(2), e15-e23.
  4. Dijk DJ, Czeisler CA (1994). Paradoxical timing of the circadian rhythm of sleep propensity serves to consolidate sleep and wakefulness in humans. Neurosci Lett, 166(1), 63-68.
  5. Van Dongen HPA, Maislin G, Mullington JM, Dinges DF (2003). The cumulative cost of additional wakefulness. Sleep, 26(2), 117-126.
  6. Roenneberg T, Wirz-Justice A, Merrow M (2003). Life between clocks: daily temporal patterns of human chronotypes. J Biol Rhythms, 18(1), 80-90.
  7. Khalsa SBS, Jewett ME, Cajochen C, Czeisler CA (2003). A phase response curve to single bright light pulses in human subjects. J Physiol, 549(3), 945-952.